| Kloster im Gefaengnis |
Kloster Kirchberg: Seit vielen Jahren ist das Berneuchener Haus Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar verbunden mit der Frauenhaftanstalt „Gotteszell“ in Schwäbisch Gmünd. So hat unter anderem die dortige Evangelische Seelsorgerin, Pfarrerin Susanne Büttner, auf dem Kirchberg ihre Ausbildung zur Leiterin für Geistliche Übungen absolviert. Vom 25. bis 31. Mai findet nun in „Gotteszell“ das Projekt „Kloster im Gefängnis“ statt, das vom Berneuchener Haus Kloster Kirchberg unterstützt wird.
Vor 200 Jahren wurde aus dem ehemaligen Dominikanerinnenkloster in Schwäbisch Gmünd ein Gefängnis, heute leben und arbeiten in Baden-Württembergs einzigem Frauengefängnis 340 Gefangene. Zum Jubiläumsjahr gibt es in „Gotteszell“ ein ganz besonderes Angebot für die Inhaftierten, das Projekt „Kloster im Gefängnis“. 12 Frauen werden an die Tradition des Klosters anknüpfen und eine Exerzitienwoche hinter den Mauern abhalten. Geleitet wird die Woche, die unter dem Thema „Weg durch die Wüste“ steht, von der Kontemplationslehrerin Heike Rosengarth-Urban, die auch regelmäßig Seminare auf dem Kirchberg abhält und der Evangelischen Pfarrerin Susanne Büttner. Insgesamt sechs Klöster, darunter Kloster Kirchberg und Untermarchtal als Mutterhaus der katholischen Gefangenenseelsorgerin Sr. Johanna Koluder, nehmen an dem Projekt teil, werden in der Woche Fürbitten halten und geistliche Unterstützung geben.
Als leitenden Text, der die Exerzitienwoche begleitet, haben die Organisatorinnen die Geschichte von der Berufung Mose in Exodus 3, 1-14 gewählt. Dabei wird auch thematisiert, dass Mose in die Wüste nach Midian geflohen war, weil er in Ägypten einen Mord begangen hatte. „ Alle, die in einer Haftanstalt leben, sind verurteilt, weil sie eine Grenze überschritten haben“, erläutert Pfarrerin Susanne Büttner. „Manche haben auch, wie Mose, einen anderen Menschen getötet. Diese existenzielle Erfahrung, die ja Leid für andere und den Ausschluss aus der Gemeinschaft bedeutet, wollen wir thematisieren. Und wir werden auch darüber sprechen, wie es trotz und inmitten aller Schuld „jenseits der Grenze“ zu unerwarteten Gottesbegegnungen kommen kann.
Besonders für Menschen im Gefängnis ist es oft schwer zu sehen, auf welch wundersame Weisen Gott ihnen begegnet.“
Jeder Tag der Woche ist einem Schwerpunkt des Mose-Textes gewidmet: „Hinsehen und schauen: In was begegnet mir Gott? “ oder „So geh nun hin – ich will mit dir sein“ lauten die Themen.
Der gemeinsame Tag in „Gotteszell“ wird um 7 Uhr im Schweigen beginnen und endet um 21 Uhr im Schweigen. Der Tag ist strukturiert durch stille Arbeit und Übungen sowie die Tagzeitengebete – ganz so wie in den beteiligten Klöstern mit ihren Angeboten für Menschen, die Einkehr und Orientierung suchen. Zwei Tage werden ganz im Schweigen verbracht.
„Das Gefängnis wird von den Inhaftierten immer wieder als existenzielle „Wüstenerfahrung“ mit vielen Durststrecken beschrieben. Wir wollen den Teilnehmerinnen Mut machen, ihre eigenen Erfahrungen von biografischer „Wüste“ im Gefängnis Gott anzuvertrauen – so wie das Volk Israel auf seinem Weg durch die Wüste zu Gott um Rettung und Begleitung schrie. Und wir bieten ihnen eine Begleitung für den jeweils eigenen inneren Weg an. Unsere leitende Überzeugung ist, dass auch lange Jahre im Gefängnis zur Lebenszeit eines Menschen gehören, die in eine sinnvolle Zukunft münden soll. Gemeinsam mit der Anstaltsleitung sehen wir Seelsorgerinnen im „Kloster im Gefängnis“ eine Chance, neue Wege der inneren Orientierung für Gefangene zu beschreiten“, so Pfarrerin Susanne Büttner.
Ob das Gefängnis von einem Ort der Qual zu einem „weiten Reich“ werden kann, durch das inhaftierte Menschen Gott erkennen, bleibt eine offene Frage und kann nur durch die Erfahrungen Einzelner beantwortet werden – das wissen auch die Gefängnisseelsorgerinnen.
„Unsere Gedanken und Gebete gehen in diesen Tagen zu den Frauen in „Gotteszell“, wie Pfarrer Peter Schwarz, der Geistliche Leiter des Berneuchener Hauses Kloster Kirchberg versichert. Gemeinsam mit ihnen vertrauen wir darauf, dass für sie wie für uns Gott einfach da ist und auf uns schaut. Wir vertrauen, dass seine stille und unaufdringliche Gegenwart unseren Weg erträglich, ja sogar lohnend macht.“
In seinem Grußwort für die Projektwoche thematisiert Pfarrer Peter Schwarz die Suche der Menschen nach einem Weg zu Gott und einem Leben mit Gott. Er betont, dass dieser Weg, insbesondere für Inhaftierte, besonders schwierig ist: „Dass diese Suche ein Weg ist, der über weite Strecken aus Sehnsucht, Warten und Hoffen besteht, erfahren die Gefangenen in ihrer Situation in „Gotteszell“ viel intensiver und tiefer als andere. Es ist schwer, Zeiten auszuhalten, in denen sich scheinbar nichts tut, in denen alles um einen herum auf der Stelle zu treten scheint.“
Er unterstreicht jedoch auch, dass das Pfingstfest, das am Ende der Exerzitienwoche steht, nach einem alten Kirchengesang jene Zeit sei, in der Gott durch seinen Geist die Wüste sogar zu einem blühenden Weg macht. „Dass sie unter Gottes Blick bewahrt bleiben auf Ihrem Weg, darauf hoffen wir mit Ihnen, darum beten alle, die hier auf dem Kirchberg leben, oder gerade als Gäste sind, mit Ihnen.“, endet er in seinem Grußwort.