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Kirchberger Impulse Rückblick
Kirchberger Impulse 2008. 40 Führungskräfte aus Wirtschaft und sozialen Institutionen diskutierten vom 24. bis 26. November unter dem Motto: Die Wiederentdeckung des Menschen... Entdeckungsreise zum Potential des Menschen Kirchberger Impulse: Führungskräfte aus Wirtschaft und Sozialer Arbeit im Dialog / Gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken Ist der Mensch ein ausgesprochen vernunftgeleitetes Wesen oder „menschelt“ es bei der Vorstellung vom rein am Nutzen orientierten „Homo oeconomicus“ nicht auch an der einen oder anderen Stelle? Dieser Frage gingen jetzt mehr als 40 Führungskräfte aus Wirtschaft und sozialen Institutionen unter der Überschrift „Die Wiederentdeckung des Menschen“ nach. Bei der vierten Auflage der „Kirchberger Impulse“ wurde deutlich, dass sich notwendige gesamtgesellschaftliche Veränderungen gerade in Zeiten der Finanzmarktkrise nur dann nachhaltig gestalten lassen, wenn die Verantwortlichen im vertrauensvollen Dialog miteinander stehen und Probleme ganzheitlich angehen. Besonderer Handlungsbedarf besteht dabei bei Bildung, der Wertevermittlung, dem Erhalt der Leistungsfähigkeit und Förderung des zivilgesellschaftlichen Engagement der einzelnen. Auch die freie Wirtschaft scheint zunehmend zu erkennen, dass sie um erfolgreich zu sein den Menschen mit seinen Begabungen, Interessen, Bedürfnissen wahrnehmen und aktiv einbinden muss. Eingeladen hatten zwischen dem 24. und 26. November 2008 die „BruderhausDiakonie“, die „Samariterstiftung“ und das „Kloster Kirchberg“.  Kirchberg, im November 2008. Angeregt von hochklassigen Inputs einflussreicher und profilierter Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Medien näherten sich die Teilnehmenden über vielerlei Zugänge dem weitreichenden Thema „Mensch“. An zwei Tagen boten die Verantwortlichen eine Mischung aus inhaltlicher Diskussion, Gesprächen in kleiner Runde sowie Unterhaltung, Kultur, Kommunikation sowie dem Dialog mit jungen Menschen und Angeboten zur Entschleunigung. Ein dialogisches Arbeiten auf Augenhöhe – in einer für viele der Teilnehmer ungewöhnlichen aber anregenden Klosteratmosphäre.  „Wir müssen befürchten, dass die Einsamkeit im Alter wächst“, betonte gleich zu Beginn der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer. Es gelte, den Sozialraum neu zu gestalten, Begegnungsmöglichkeiten zwischen den Menschen zu verstärken und die Nachbarschaft zu stärken. Die Lösung sei nicht, dass jeder in seinem umzäunten Haus lebe, sondern dass man sich zum andern hin öffne, einen gemeinsamen öffentlichen Raum gestalte. „Da wird vieles neu entstehen müssen“, machte Palmer deutlich. Auch im Bereich Ökologie gibt es nach Aussagen des Grünen-Politikers „keinen Grund, hoffnungslos zu sein“. Jeder könne beispielsweise durch Energiesparen seinen Beitrag zu einer nachhaltigen Gesellschaft leisten, „ohne dabei Lebensqualität und Geld zu verlieren“. Bezüglich des steigenden Energieverbrauchs machte der er aber deutlich, dass die Grenzen bereits überschritten und die Schäden, die jetzt durch die Ausbeutung von Rohstoffen entstehen, irreversibel seien. „Wir müssen auf die Bremse treten und den Energiekreislauf verbessern“. Im Bildungsbereich sieht Palmer eine zunehmende soziale Selektion und Stigmatisierung, wenn sich die Hauptschule weiterhin „zur Schule von Ismael und Hassan“ entwickle. Hier würden Lebenschancen und Potentiale einfach verschleudert. Dies treffe zunehmend auch für die Hochschulen zu, an denen Studienplätze fehlen. Dies führt rasch zu einem Absinken des Qualitätsniveaus der deutschen Wirtschaft.  Von einer „Denkwende“ im Blick auf den Menschen als Wirtschaftsfaktor spricht der ZEIT-Journalist Uwe Jean Heuser. „Das Paradima vom rein rationalen Menschen wurde übertrieben“, machte er deutlich. Der Mensch sei von Natur aus nicht so, dass er alles ständig und über das ganze Leben hinweg optimiere. So werde in der realen Wirtschaft „zunehmend Mehrwert in menschlichen Beziehungen geschaffen“, nehme die Kooperationsbereitschaft zu, würden Antworten zunehmend bei Systemdenkern und Psychologen gesucht. Provozierend fragte der Referent, mit welchem Menschenbild in Unternehmen den Kunden und mit welchem den Mitarbeitenden umgegangen werde. Häufig seien es nicht dieselben. Überrascht zeigte sich Heuser von neuesten Ergebnissen der Ökonomischen Wirtschaftsforschung, nach denen die Menschen „stark beeinflussbar und auch beeinflussend“ sind. „Bezüglich Geschmäcker und Werturteilen lassen wir uns in fast alle Richtungen leiten“, gab er zu bedenken. Auf der anderen Seite sei es erstaunlich, „wie viel Wert wir auf Fairness im Umgang miteinander legen“. Menschen, so das Ergebnis vieler Untersuchungen, denken vielfach nicht rational. Entscheidend sei für viele Handlungen aber die „Soziale Motivation“, die der Wirtschaftsjournalist als ein wichtiges Kapital für Unternehmen sieht. „Menschen wollen nicht nur etwas haben, sie wollen auch etwas sein“, formulierte er das Menschenbild, das für alle Partner von Unternehmen gleichermaßen gelte. Eine Einschätzung, die auch von den Teilnehmern auf der Tagung geteilt wurde. „Menschen sind aufgeschlossen für soziale Fairness“ schilderte ein Unternehmer seine Erfahrung aus dem eigenen Betrieb. Während sich die freie Wirtschaft auf dem Weg der Öffnung hin zum Menschen befindet, sieht der Philosoph und Unternehmensberater Dr. Matthias Gronemeyer die Gefahr einer Ökonomisierung des Sozialbereichs. „Humanität wird selbst zur Ware“, gibt er zu bedenken. Soziales Handeln dürfe aber nicht wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten folgen, denn „man kann einen Menschen nicht im Akkord betreuen“. Gronemeyer sieht, dass der Soziale Sektor zunehmend Zeichen und Werte der Ökonomie, der „Leitsphäre der Gesellschaft“, übernimmt. Beispiele sind für den Philosophen Studiengänge, die sich „Pflegemanagement“ heißen oder der „Casemanager“, der früher noch Gemeindehelfer hieß. „Religion wurde mancherorts durch Mc Kinsey ersetzt“, so die Analyse. Gronemeyer weist der Wirtschaft ihren Ort zu, nämlich den „vorpolitischen, den vorsozialen“. Sie selbst müsse sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, nämlich Geld zu erwirtschaften. Die Warnung, das Soziale könnte zu sehr unter das Diktat des Ökonomischen fallen, unterstrich Lothar Bauer, Vorstandsvorsitzender der BruderhausDiakonie. Er machte jedoch auch deutlich, dass der Sozialbereich durchaus sehr viel für die Gesellschaft leiste, z.B. indem benachteiligten Jugendlichen Bildungschancen eröffnet werden. Hilfreich sei es auf jeden Fall, Unternehmer zu erleben, die identifiziert seien mit ihrer Aufgabe – und den Fokus auf die Menschen im Betrieb legten.  Dass es vor allem der menschliche Umgang miteinander ist, der Unternehmen zusammenhält, machte der Familienunternehmer und IHK-Präsident Dr. Günter Baumann von der Eberspächer Holding, einem weltweit agierendem Unternehmen aus Esslingen, deutlich. „Als Inhaberfamilie denken wir langfristig, bei uns zählt nicht der schnelle Erfolg“. Unternehmerfamilien seien stark eingebunden in die sozialen Netzwerke einer Region, Mitarbeiter hätten einen leichten Zugang zur Führungsebene. Im Zentrum steht für Baumann „das Wachstum aus eigener Kraft“, ein auf Nachhaltigkeit angelegter und solide finanzierter Zuwachs – „mit dem Fokus auf das Machbare und Mögliche“. Weil „die die dafür notwendigen Innovationen in den Köpfen der Mitarbeiter entstehen“, setzt Eberspächer stark auf die Personalentwicklung. Darüber hinaus hat die Firma aber auch der eigenen Betriebskindergarten gebaut, der „wie ein Magnet“ wirke. Angesichts der aktuellen Krise vertraut der Unternehmer darauf, „dass Familienunternehmen diese schwierigen Jahre meistern“. Er selbst will „trotz allem“ immer noch Ingenieure einstellen. „Unser Menschenbild ist noch nicht komplett“, machte der Vorstandsvorsitzende der Samariterstiftung, Dr. Hartmut Fritz deutlich. So zeige beispielsweise die aktuelle Finanzkrise, wie weit sich die Erzielung des wirtschaftlichen Mehrwerts vom Nutzen für die Menschen entfernt habe. Selbst hartgesottene Manager hätten mittlerweile erkannt, „dass es ohne Vertrauen nicht mehr geht“, weil keiner mehr dem anderen Geld leihe, wenn er nicht auf ihn setzen könne. „Vertrauen ist heute bares Geld“, so Fritz.  In mittlerweile vier Jahren Kirchberger Impulsen scheint es den Organisatoren gelungen zu sein, eine vertrauensvolle Atmosphäre zwischen leitenden Mitarbeitern aus den Bereichen Profit und Non-Profit zu schaffen. Eine Atmosphäre, die auch außerhalb der Tagung in den Netzwerken, die den Austausch weiterpflegen, spürbar wird. So gibt es gemeinsame Projekte und Veranstaltungen, die davon leben, dass alle ihr know how einbringen und so wichtige gesellschaftliche Impulse setzen. „Ich habe in diesen Tagen Menschen kennengelernt, von denen die Wirtschaft viel lernen kann“, so ein Unternehmer. „Die Kirchberger Impulse seien eine ideale Plattform für vernetztes Denken. „Es ist ihnen gelungen, sehr leicht Kontakte zwischen dem Profit- und Non-Profit-Bereich herzustellen“, lobte ein Teilnehmer. Dass viele Firmenleiter verantwortlich handeln, hat eine Führungskraft aus dem Non-Profit Bereich in den zwei Tagen mehrfach erlebt. „Ich habe gesehen, dass es auch anders geht, ohne den Raubtierkapitalismus“.