| Life aus dem Kirchentags-Kloster |
Drei Tage im Kölner Kirchentags-Kloster in Köln – Ein Erfahrungsbericht von Hildburg Raithelhuber
Lärmend rattern die Züge über die Hohenzollernbrücke vor dem Kölner Dom. Direkt neben den Gleisen bewegt sich ein Strom von Menschen in Richtung Deutz zum Messezentrum. An ihren orangefarbenen Tüchern erkennt man sie als Besucher des 31. Evangelischen Kirchentags in Köln. Zwischen den Messehallen eilen sie auf der Suche nach ihrem Wunschreferenten und hoffen, noch einen Platz auf einem der typischen Papphocker zu finden. Es geht laut zu und hektisch.
Eine andere Atmosphäre empfängt die Besucher in Halle 9. Auf einem hellblauen Teppichhalbrund stehen Tische mit Brot, Äpfeln und Krügen mit Wasser. Wir sind in der Pilgerherberge angekommen. Hier kann man sich erfrischen, sich sogar die Füße waschen und pflegen lassen. In der Mitte des weiten Raumes wird durch einen runden Teppich die Oase der Stille markiert. Es gibt keine schriftliche Aufforderung zur Stille, trotzdem redet hier niemand, und alle haben vor dem Betreten des Teppichs ihre Schuhe ausgezogen.
Der Pilgerherberge gegenüber hat das „Kirchentagskloster“ seine Räume, die zur Mitte hin offen sind. Jede dieser „Kojen“ erzählt von einer evangelischen Gemeinschaft, die in verschiedenen Gegenden Deutschlands ihr Zentrum haben. Manchmal ist es ein ehemaliges Kloster wie bei den Berneuchener Gemeinschaften auf dem Kirchberg bei Sulz am Neckar. Die Schwestern vom Casteller Ring haben ihr Zentrum auf dem Schwanberg bei Würzburg in einem ehemaligen Schloss, während die Christusbruderschaft Selbitz neu gebaut hat.
Vor jeder der zwanzig Kojen leuchtet ein blaues Banner mit einem Bibelwort: wir sind in der „Halle des Wortes“. Dadurch wird deutlich, was diese unterschiedlich geprägten Gemeinschaften verbindet. Die Fortsetzung der Halle bietet Raum für die gemeinsam gestalteten Gebetszeiten und Eucharistiefeiern. Sie bilden in dieser Halle den Rahmen für eine Reihe von Veranstaltungen zum Thema „Wort Gottes“, beginnend mit der täglichen Bibelarbeit. Besonders viele wurden durch spirituelle Lehrer wie Fulbert Steffensky und Pierre Stutz angezogen. Die nachmittäglichen Workshops wurden meist von Mitgliedern des Kirchentagsklosters geleitet. Suse Rieber vom Berneuchener Dienst lud unter anderem zum Thema „vergeben und versöhnen“ ein. Helmut und Gisela Knapp (Evangelische Michaelsbruderschaft/Berneuchener Dienst) führten in das „Bibel teilen“ ein.
Das Angebot zu Seelsorgegesprächen wurde von vielen angenommen, ebenso die Möglichkeit, sich nach dem Mittagsgebet persönlich segnen zu lassen.
Samstags im Abendgebet: Rückblick auf drei ereignisreiche Tage. Die Psalmschola intoniert: „Du gibst meiner Seele große Kraft“. Pierre Stutz lädt zum Stillesein ein. Zu den Klängen von Bachs „Air“ bewegen alle die Arme und spüren, dass die Kraft des Wortes Gottes sie erfüllt. Von der Osterkerze empfangen alle Teilnehmer für ihre Kerze das Licht, das mit ihnen in ihren Alltag gehen soll. Eine Teilnehmerin beim Hinausgehen: „Sagen Sie Ihren Gemeinschaften weiter: Die Gottesdienste in dieser Halle haben mir viel gegeben.“